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Spacetime/Raumzeit/Verortungen
 

Interaktion von Materie mit Raum / Durchlässigkeit von Materie / Raumzeit (er)spüren?

Interaction of matter with different surroundings / matter porosity / are there ways of »feeling« spacetime?
 

– Gedanken –
Neuere Ansätze knüpfen an das Thema Vergänglichkeit/Transformation von Materie/Körper an und der sich daraus ergebenden Interaktion mit dem Raum/der Raumzeit. Diese Auseinandersetzung führt zu Implikationen u.a. in der Sicht auf die »Ver-Ortung« eines Körpers und seines Bewusstseins.  Physisch kann diese Verortung nie endgültig sein, da jede Materie zu jedem Zeitpunkt physikalisch in Bewegung ist. Der Tod eines Körpers ist also nicht sein Ende, sondern nur das Ende eines bestimmten »Aggregatzustands« in dem er sich befindet. Eine endgültige Verortung wäre demnach nicht wirklich im physisch-statischen Sinne (geografischer Ort) möglich, da sie nur ein temporärer Zustand dieses Körpers sein kann. Ein weiterer Denkanstoß wäre auch, wie sich durch Interaktion mit dem Raum Veränderungen in der Materie des Körper ergeben oder sich produzieren lassen und ob auf molekularer und zellulärer Ebene sich so etwas wie »Erinnerung« generieren lässt (Einspielen von Musikinstrumenten und der daraus resultierende individuelle Klang des Körpers z. B., chemisch-physikalische Auslöser von Empfindungen). Auch stellt sich die Frage, wie Raumzeit bewußt erlebt wird.
In der technischen Umsetzung der Arbeiten und Objekte werden hier neue Wege erprobt. Eine erste kleine Serie von Objekten bestehen aus Holzbänderstrukturen, überzogen mit Acryl. Durch ihre auflösende, rudimentäre und transparente Architektur schotten sich die einzelnen Figuren nicht vom Raum ab, sondern lassen ihn in sich hineinwirken. Inszenierungen in Landschafts- und Unterwasserwelten (Photo und/oder eventuell Film und Integrierung von Technik), führen zu einer bewussten visuellen »Übersetzung«, die eine Haptik des jeweiligen Raumes spürbar machen soll.

 

Einzelausstellung 
 

VERORTUNG

Zwischen der Verbindung Raumzeit-Materie und soziokulturellen Prägungen 
– eine bildnerische Suche. Wismar 2021, Impressionen.

Impressions of my solo exhibition 2021 in Wismar, Germany

 

Liste der Arbeiten und den dazugehörigen Texten:
 

Raum, Zeit und Materie (und damit Körper, Organismen) bedingen sich gegenseitig. Der alltäglich selbstverständliche Umgang mit ihnen lässt vergessen, dass es naturwissenschaftlich noch nicht gelungen ist, deren Bestandteile zu beschreiben. Physikalische Gesetze und Beweisführungen dienen dem Ausdruck ihrer mehr oder weniger voraussehbaren Manifestationen.
 

o. T., Graffito, 2018

DEAR_MUSICIANS, Serie 2016-2017

percussion, Objekt aus o.g. Serie, 2017
Beide Arbeiten stehen stellvertretend für das Spannungsfeld zwischen spontaner Imagination (ausgelöst durch musikalisch-experimentelles Spiel im Raum) und einer konkreten Demarkation von Raum im »Raum«. Fluide Soundwellen initiieren innere, teils diffuse Bilder, hier zeitlich angehalten im Objekt. Der Blick in einen Raum (die Landschaft) führt zur Idee, ein Stück des

Raumes abzustecken (für den Bau eines Stegs). »Zeit« einerseits im Objekt und »Raum« andererseits im Graffito erfahren jeweils eine gewisse Begrenzung/Einteilung. Wir können anhand von Koordinaten mit beiden umgehen, um uns in ihnen zu orientieren, doch

woraus sie beschaffen sind, wissen wir nicht.
 

o. T., Grafik, 2016

Der Ornamentcharakter einer sich wiederholt benutzten Schablone im Graffito und die Charakteristika einer Handschrift haben eines gemeinsam: das Bildzeichen oder Piktogramm. Ersteres kann sich weiter dahin reduzieren und zweiteres sich daraus entwickeln. Schrift dient zur Vermittlung von Sprachen, in denen sich all die soziokulturellen Räume spiegeln, in und an denen Menschen sich orientieren oder verorten können. Fließende Mehrsprachigkeit für die, die es betrifft, kann im Wechsel von einer Sprache zur anderen bedeuten, von einer Facette der soziokulturellen Prägung zur anderen zu wechseln.
 

storm, Objekt, 2020

Der drohende Himmel und der Glaube, er könne einem auf den Kopf fallen, trieb in Antike und Prähistorie zu Personifizierungen, um greifbar zu machen, was nicht

verstanden wurde und/oder bedrohlich wirkte. Phänomene – Wasser, Erde, Feuer, Luft z. B. – und den darum kreisenden existentiellen Fragen ein Gesicht zu geben, kam dem Bedürfnis nach Ordnung und Sicherheit nach. Der für die Menschen wahrnehmbare »Welt-Raum« wurde aufgeteilt und mit mythologischen Figuren und ihren Geschichten (angelehnt an historische

Ereignisse) gefüllt. Geburt, Tod, Auferstehung, Gewogenheit der Götter – aus dieser Zeit stammende kulturelle Vorstellungen prägen mehr oder weniger bis heute die Wahrnehmung und das Verständnis vieler Menschen. Die Region, aus der man kommt, und die damit verbundenen gelebten Traditionen umschreiben für manche die eigene kulturelle und geografische

Verortung in einem Dorf, einer Stadt, einer Landschaft, einem Land, einem »Raum«.

MATTER, Serie 2019-….

01figure03, Fotografie vom Objekt »figure03«, 2020

Ein Objekt als der Natur prothetisch übergestülpte durchlässige Struktur bringt scheinbar zwei Aggregatzustände zusammen: tote und lebendige Materie. Doch genaugenommen sind die Elementarteilchen jedweder Materie immer in Bewegung. »Lebendigkeit«, »Leblosigkeit«, verschwimmen in ihren Bedeutungen. Körper anhand moderner Naturwissenschaften verstehen

zu wollen, rüttelt an traditierten Vorstellungen von Leben und Tod.
 

MATTER, Serie 2019-….

02-07figure4153, Fotografien vom Objekt »figure4153«*

Serie in o.g. Serie, 2021

Der inszenierte Zerfall von selbstentworfenen, zu einem »Organismus« zusammengesteckten Teilen aus PMMA (Polymethylmethacrylat) sind Momentaufnahmen, bevor die Figur mit einem »Rest Leben« uns tatsächlich gegenüber steht: eine erfundene Lebensform, halb tot halb lebendig, kurz vor der Auflösung. Das Zusammenhängende fällt zwar auseinander, doch

die Bestandteile bleiben, lösen sich nur im »Raum« mit der »Zeit« auf und werden neue Verbindungen eingehen. Materie verändert sich fortwährend in und existiert nur

dank der Raumzeit.

PMMA Molekül (Darstellung)
 

MATTER, Serie 2019-….

01figure02, Fotografie des Objekts »figure02«, 2020

Molekulare, atomare, subatomare Strukturen der Materie lassen sich verändern und verbinden.

Aus leitfähigen Mineralien und/oder Kunststoffen lassen sich softwaregesteuerte Verbindungen

mit lebenden Organismen herstellen (organische Elektronik). Das ist ein Paradigmenwechsel im

Selbstverständnis der eigenen Endlichkeit. Digitale Nanotechnologie kann schon jetzt Eingriffe im

Stoffwechsel von beispielsweise Pflanzen bewirken.
 

Gier, Objekt, 2017

Eine erste, frei hängende Arbeit entsteht. Auch hier, wie bei den Arbeiten der Serie »dear_musicians«, stehen Halbtransparenz des Mediums und die in Liniatur aufgeteilte Figur für den Versuch, Raum greifbar zu machen. Aus der Perspektive eines soziokulturellen Milieus heraus und aus der Abwehrreaktion auf die U.S.-amerikanische Präsidentschaftswahl aus dem selben Jahr entwickelte sich das Thema der Figur.
 

THREEFOLD_angedachtes Projekt, 2018

Prometheus, Hekate, Lucifer,

3 Objekte aus einer Serie von 5

Basierend auf den technischen Erfahrungen mit der Figur »Gier« wurden 5 weitere Arbeiten entwickelt. Sie bewegen sich thematisch entlang mythisch-religiöser Symbolfiguren und sollten in einer Performance mit den Künstlern Elisabetta Lanfredini und Nicolas Wiese Überlegungen zu Herrschaftsverhältnissen, Geschlechterrollen, historischen und ideologischen Aneignungen

nachzeichnen. Dabei wurden Verortungen der westlich-christlichen Kultur in Mythen des antiken

Mittelmeerraums einbezogen.
 

MATTER, Serie 2019-….

figure01, erstes Objekt aus einer Serie von figurativen und anschließend fotografierten Arbeiten

(teilweise schon im Auflösungsprozess)

Die Aufteilung des Raumes mittels linienartiger Struktur in Figuren setzt sich weiter fort in einem erdachten »Organismus«. Diese Figur verhält sich ebenfalls durchlässig-transparent zum Raum. Die Fragilität der Struktur und ihre den Elementen ausgesetzte Materie haben zur Folge, dass ein vermeintlicher Zerstörungsprozess, eine Auflösung im »Raum« mit der »Zeit« einsetzt. Durchlässigkeit von Materie manifestiert sich, indem Materie mit Materie permanent im Raum

interagiert und neue Verbindungen eingeht.
 

MATTER, Serie 2019-….

02figure03,

Fotografie mit Buntstift des Objekts »figure03«

Die Raumzeit dehnt sich.
 

MATTER, Serie 2019-….

01figure01, Fotografie des Objekts »figure01«

Stellvertrend für eine Vorstellung, wie Raumzeit aussehen könnte, wurde das Medium Wasser gewählt und das Objekt »figure01« hineingetaucht.
 

MATTER, Serie 2019-….

figure4153*, Objekt 2020

Mit der Integration von Licht, Sensorik und Sound soll organisches Leben simuliert werden. Die PMMABauteile, stellvertretend für weiches organisches Material, finden Halt im Gerüst aus Furnierholzbändern – das Skelett dieses »Lebewesens«.

*mit freundlicher Unterstützung von #hacklabor
 

MATTER, Serie 2019-….

figure05*, Objekt-Prototyp 2021

Die in Bewegung befindlichen Dimensionen von Raum und Zeit sind schwierig zu visualisieren, da man deren Beschaffenheit nicht kennt. Stellvertretend werden sie hier mit Wassernebel dargestellt. Die sich auflösende Materie der Maske und der Übergang der Gesichtszüge

in eine andere Form kann im Objekt nur in einer Momentaufnahme festgehalten werden. Ein Stück abgegrenzten Raums in Form eines Festkörpers mit den fluiden Zügen des Gesichts im Moment der Osmose zusammen zu bringen, hält Durchlässigkeit und Beweglichkeit von Materie im Raum-Zeit-Gefüge fest.

*mit freundlicher Unterstützung von #hacklabor
 

MATTER, Serie 2019-….

vision of a black hole, Objekt 2021

Eine Gravitationskraft, die so stark ist, dass alles verschluckt wird, was in ihre Nähe kommt. Ein für manche beunruhigender, weil schwer vorstellbarer Gedanke, doch es ist nach derzeitigem Wissenstand das Hauptmerkmal eines schwarzen Loches. Da Materie ohne die Raumzeit nicht existieren kann, wird letztere ebenfalls hineingesogen, zusammengefaltet und extrem verdichtet.

Erweiterungen wissenschaftlicher Erkenntnisse in allen Bereichen ergänzen oder sprengen Vorstellungen. Es ergeben sich Auswirkungen auf das Selbstverständnis der eigenen (unbedeutenden?) Rolle im Universum bis hinunter in soziokulturellen Zusammenhänge. Der Blick in das Loch des Objekts spiegelt das eigene Gesicht, die eigene Geschichte.
 

Junger Vater aus Berlin, Acrylbild, 2015

Europa weist in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einige bunte, kosmopolitische Nachkriegsbiografien auf. In Unterhaltungen mit dem Portraitierten mit U.S.-amerikanischen Wurzeln wird über spezifische soziokulturelle Einflüsse reflektiert. So ist die Rebellion gegen den angelsächsischen Puritanismus amerikanischer Prägung zentral (Logo der Punkband Black Flag

auf dem Sweatshirt) und das Zitieren eines blonden Jesus mit Heiligenkranz »unausweichlich« – wobei die Vergoldung im Hintergrund eine Volte schlägt zu einer russischen Ikone – ein Wink Richtung Russland und historische Eckpfeiler, die diesen Lebenslauf nach dem 2. Weltkrieg erst möglich gemacht haben. Die Entscheidung, dieses Portrait zu malen entstand aus einer

Verbundheit heraus, die auf ähnliche Sichtweisen und eine ähnliche Verortung im soziokulturellen Kreis basieren.